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JUST LISTEN


"I like to listen. I have learned a great deal from listening carefully. Most people never listen."

(Ernest Hemingway)

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  • Alma

Draußen.

Draußen. Das ist das selbe draußen für alle, aber irgendwie doch nicht. Das Draußen ist ein anderes Draußen für mich zurzeit. Das Draußen, was für so gut wie alle absolut normal ist, ist für mich und einige andere Gefahr. Ich bin hier nicht sicher, hier kann jeder Zeit etwas passieren, ich muss auf der Hut sein, auf mich selber aufpassen. Hier gibt es nicht immer zweite Chancen, hier muss ich funktionieren. In diesem Draußen befinde ich mich gerade wieder. Ich mache eine Intervalltherapie in einer Klinik, was bedeutet, dass ich immer für einige Wochen/Monate stationär in der Klinik bin und dann wieder einige Wochen/Monate in meinem "Zuhause".

Zuhause, auch so ein Wort was für viele glaube ich selbstverständlich ist, für mich nicht. Ich habe kein Zuhause.Ich habe einen Ort wo ich wohne, wo ich ein Dach über dem Kopf habe, wo meine Sachen stehen. Aber ich weiß nicht, wo und ob ich Zuhause bin.

Es geht ganz viel um Sicherheit. In der Klinik lebt man in einer teilweise geschlossenen Gesellschaft oder Zusammenkunft. Alle haben ihr "Zuhause" verlassen und finden sich an diesem einen Ort zusammen, wo sie sich endlich mit sich selber auseinander setzen können/dürfen/müssen. Für die meisten dort, obwohl eigentlich für alle, braucht es dafür diesen geschützten Raum. In einer Klinik ist man eine Gemeinschaft, alle haben ganz grundlegend das selbe Problem, wenn auch in unterschiedlichen Formen. Und es gibt Menschen die extra da sind für diese Gesellschaft. Das sind die Leute die dort arbeiten, die Pfleger, Ärzte, Therapeuten. Diese Menschen verlassen für einige Stunden am Tag ihr eigenes Zuhause, das "Draußen", um für einen da zu sein, wenn man das braucht und um das ganze System Klinik mit aufrecht zu erhalten. Und das ist das was Sicherheit gibt. Einmal dieser geschlossenen Rahmen an Menschen, aber vor allem auch das Personal. Die geben einem das, was einem da draußen fehlt um zu heilen.

Im Draußen ist man plötzlich wieder auf sich selbst gestellt, da interessiert es kein/kaum Leute wie es einem gerade geht. Dieses Draußen ist groß und überwältigend, da muss man sich irgendwie in diesen Alltag der anderen, der großen Gesellschaft, bestenfalls integrieren und die haben nicht immer Zeit, Lust und Interesse daran,ob das Innenleben gerade Purzelbäume schlägt oder nicht. Das interessiert den Busfahrer oder die Frau im Supermarkt nicht. Da muss man wieder sich alleine da raus holen, alleine klar kommen, zurecht kommen. Und dann sind da all die Unsicherheiten. Wer weiß , ob das Auto wirklich anhält, obwohl man selber grün hat und alles richtig macht. Was ist, wenn eingebrochen wird? Der Feueralarm losgeht? Was ist wenn die Psyche plötzlich entscheidet durchzudrehen, während man gerade im Supermarkt ist? Wer hilft einem dabei, den Clown im Kopf in Schach zu halten? Wer hört dem Clown mal zu?

Das und vieles mehr sind Dinge die für sehr viel Unsicherheit sorgen können. Das sind Dinge, die wieder alte Muster, Gedanken, Verhaltensweisen, die man eigentlich abgelegt hatte oder zumindest versucht, in Alarmbereitschaft rufen kann. Man hat hier nicht mehr so die Kontrolle, man muss mehr vertrauen, das alles schon gut gehen wird. Man muss jeden Tag kämpfen aufzustehen, denn hier holt einer keiner aus dem Bett, wenn man den ganzen Tag drin liegt. Hier muss man sich sein Essen selber besorgen und zubereiten.Hier guckt keiner nach einem, wenn der Clown durchdreht.

Für manche mag vielleicht jetzt Klinik wie ein verlockendes Konzept vorkommen, wenn man sich anscheinend nicht so viel kümmern muss da, aber glaube mir, keine möchte freiwillig dort sein. Klar, hat es manche "Annehmlichkeiten", aber viele würden das sofort eintauschen, wenn dafür doch ihre Psyche wenigstens ein Stück besser wäre. Klinik ist kein schöner Ort, es ist aber ein häufig sicherer für eine gewisse Zeit. Es ist ein Auffangbecken, wenn man alleine nicht mehr klar kommt. Es ist eine Gesellschaft neben der großen, "normalen" Gesellschaft. Es ist ein Muss, um irgendwann irgendwie leben, und nicht nur überleben, zu können . Es ist ein Ort geschaffen worden, damit man heilen kann, die Chance hat schweren Erkrankungen den Kampf anzusagen. Alle,oder zumindest die meisten, würden alles dafür geben, ihre Erkrankungen abzulegen und in der großen Masse, der Gesellschaft die man normal nennt, zu verschwinden. Schwarze Schafe gibt es immer, aber die gibt es überall. Man ist dort, weil man da sein muss, weil man krank ist und heilen muss. Und es ist gut, dass es so einen Ort gibt, wo man mehr verstanden wird.

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