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JUST LISTEN


"I like to listen. I have learned a great deal from listening carefully. Most people never listen."

(Ernest Hemingway)

 
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  • Alma

Körper


Der Klassiker. Als Kleinkind lernt man, wenn man einmal die heiße Herdplatte anfasst, macht man das nicht nochmal. Normalerweise. Ich scheine diesen Part wohl schon früh ausgeschaltet zu haben. Ich hatte mich aus Versehen an der heißen Pfanne kurz am Arm gestoßen und es war toll. Es war so gut, dass ich es nochmal gemacht habe...und wieder, und wieder.


Es ist schwer das zu erzählen, weil ich weiß wie verkehrt es ist, aber ich selber finde es nicht mal so schlimm. Für mich ist es nicht „mein Körper“ , sondern „ein Körper“ und ich scheine manchmal zu denken, dass ich ihn gegen einen neuen eintauschen könnte, so wie ihn manchmal behandle. Wenn ich meinen Körper angucke , von außen oder auch von innen, dann kann ich sagen welche Narbe wo entstanden ist, welcher Fleck absichtlich war und welcher einfach nur Unfall. Ich kann sagen ,wieso mein Magen streikt, oder meine Speiseröhre,wieso der Muskel ziept, genau analysieren wo der Schmerz lang läuft und woher er kommt. Ich habe meinen Körper analysiert und studiert wie andere eine Matheaufgabe.

Ich funktioniere eher wie ein Roboter. Angepasst an die Umgebung und der Norm.

Mein Körper ist wie eine Hülle, manchmal habe ich das Gefühl in dieser Hülle zu sein, meistens habe ich aber eher das Gefühl daneben zu stehen, meinem Körper dabei zuzugucken was er macht. Das nennt man Depersonalisation und das ist ganz schön anstrengend. "Die Depersonalisation ist eine Form der dissoziativen Störung, die aus dem anhaltenden oder wiederholten Erleben, außerhalb des eigenen Körpers zu stehen oder von den eigenen Gedanken getrennt zu sein, besteht. Meist mit dem Gefühl, das eigene Leben von außen zu beobachten" . Man verliert irgendwie sein Ich- Gefühl, weiß gar nicht so genau ob man existiert oder nicht, ob man träumt oder es Realität ist. Es ist quasi eine Abspaltung von seinem Körper. Dabei weiß man aber vom Verstand her noch , dass dieser Körper man selber ist, es fühlt sich nur nicht so an. Das fing bei mir schon sehr früh an, habe es aber erst vor kurzem kapiert, dass das nicht ganz normal ist, sondern eine Störung.

Genauso kann man sich auch anders fühlen als man ist.

"Die Körperdysmorphe Störung oder Körperschemastörung ist eine Krankheit, bei der Betroffene ihren Körper oder bestimmte Körperteile als falsch, entstellt, zu hässlich, zu dick oder zu dünn wahrnehmen." Solche Körperschemastörungen treten relativ häufig auf, vor allem bei Essstörungen. Ich habe, bzw. fühle mich immer noch, immer wie ein fetter, großer Wal gefühlt, mit riesen Beinen, Armen, Schwabbelbauch, einfach fett. Ich war es nicht, aber im Spiegel sah ich mich so. Dann hatte ich in der ersten Klinik Körpertherapie. Da haben wir die Seil Übung gemacht,die mir mal ein bisschen die Realität zeigen sollte. Ich musste auf ein Blatt Papier Kreise legen bzw. malen, wie ich finde meine Oberarme, mein Bauch und meine Oberschenkel aussehen, vom Umfang her. Danach wurde mit einem Seil am Körper nachgemessen und das echte gemessene über das gedachte gelegt und tadaa, der Unterschied war immens. Hätte ich damals nie für möglich gehalten.

Um mal wieder zum Anfang zurück zu kommen, das mit der Herdplatte und Pfanne. Ich hatte und habe ein Problem mit Selbstverletzungen und das liegt zum großen Teil daran, dass ich mich nicht real fühle und von mir selbst getrennt.Der Zustand ist inzwischen ganz schön schwer auszuhalten. Durch die Selbstverletzung spürt man den Körper wieder etwas und man stellt wenigstens eine leichte Verbindung zu sich selber da. Dadurch macht man sich selber klar, dass man einen Körper hat, diesen Körper, das man wirklich existiert und nicht nur träumt.

Viele Menschen haben Probleme mit ihrem Körper, nicht nur die Kranken. Ich kenne glaube ich kaum jemand der wirklich zufrieden ist mit seinem Körper und das ist echt schade. Der Körper ist einmalig, der Körper hält uns am Leben, wir sind unser Körper und es ist doch schade, dass wir ihn, also uns, oft so strafen, behandeln, hassen etc. Es wäre schön, wenn wir ihn mehr akzeptieren könnten, denn eigentlich ist er, das heißt wir, ziemlich beeindruckend.

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