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JUST LISTEN


"I like to listen. I have learned a great deal from listening carefully. Most people never listen."

(Ernest Hemingway)

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  • Alma

Scham

Schämst du dich nicht nur faul rum zu liegen? Schämst du dich nicht, nicht arbeiten zu gehen? Schämst du dich nicht uns auf der Tasche zu liegen? Willst du kein eigenes Geld verdienen? Reiß dich doch einfach mal zusammen. mach doch einfach mal.

Ich habe es schon wieder nicht geschafft raus zugehen. Mein Zimmer habe ich immer noch nicht aufgeräumt. Was bin ich überhaupt für ein Mensch, wenn ich nicht mal die kleinsten Dinge hinkriege.


Scham ist ein ganz großes Thema in der Welt der psychisch Kranken. Keine Sorge wir schämen uns schon selber genug, wir brauchen nicht noch jemand der von außen nochmal draufhaut.

In unserer leistungsorientierten Welt wird einem oft suggeriert, dass "Nichtstuer" nichts wert sind. Dabei gibt es solche und solche Nichtstuer. Es gibt die, die wirklich nichts tun und wirklich einfach faul sind und kein Bock haben, aber ich nehme mir raus zu behaupten, dass dieser Anteil an Menschen ziemlich gering ist.Viele Nichtstuer haben nämlich einen Grund wieso sie nichts tun. Manche wissen den, manche (noch) nicht, manche sind krank und können grundlegend nur "nichts" tun (außer gesund zu werden).

Dabei fällt es anscheinend Menschen leichter es zu akzeptieren, dass jemand "nichts" tun kann, der offensichtlich und augenscheinlich krank ist, bspw.: Krebserkrankung ,Querschnittslähmung oder ein gebrochenes Bein. Und irgendwie ist das bei psychisch Erkrankten oft nicht so. Psychische Krankheiten sind häufig eher unsichtbar bzw. nicht auf den ersten Blick ersichtlich und deswegen glaube ich auch nicht so sehr für voll genommen bzw. oft auch einfach nicht verstanden. Dabei ist es genauso eine Krankheit, die man sich nicht ausgesucht hat. Sie ist nur oft nicht ganz so offensichtlich. Das Leid hingegen, bleibt ähnlich.

Jemand der Angst hat raus zugehen, dem wird gesagt er solle es doch einfach mal machen und er bräuchte keine Angst zu haben. Jemand der Probleme beim Essen hat, soll doch einfach mal eben vernünftig essen. Jemand der an Depressionen leidet, soll doch einfach mal was machen, was ihm Spaß macht. Man sagt doch auch einem Querschnittsgelähmten nicht, er solle mal einen Marathon laufen.

Durch diese leistungsorientierte Erwartungshaltungen der Gesellschaft schämen sich viele psychisch Kranke selber schon genug , dass sie nicht so leistungsfähig sind wie die Gesellschaft es verlangt. Man versucht ja, wieder glücklich zu sein oder keine Angst zu haben, aber es ist eine Krankheit, es geht nicht einfach so. Ein gebrochenes Bein ist auch nicht morgen einfach so wieder verheilt. Man will dazu gehören, man will ja arbeiten oder den Haushalt machen oder rausgehen. Oft versteht man, vor allem anfangs, auch selber nicht, wieso es nicht funktioniert. Und wie erklärst du es einem Außenstehenden, wenn man es selber kaum oder nur gerade so versteht?

Man ist ja irgendwie ein Stück selber von sich enttäuscht, denn es ist ja alles "nur im Kopf". Und seine Gedanken kann man ja schlussendlich selber steuern, oder nicht? Jein. Ja, man ist der einzige der die Gedanken lesen kann und somit auch Hauptperson am Steuerrad, aber wäre da nicht der Clown im Kopf. Bei den meisten psychischen Erkrankungen gibt es diesen Clown im Kopf, der einem "ständig in die Synapsen scheißt" (Zitat aus "Vincent will meer", einem meiner Lieblingsfilme). Das ist fast wie eine andere Person, die sich in die eigene Gedankenwelt einzeckt, da festhängt und ein Teil des Steuerrads übernimmt. Man ist plötzlich nicht mehr alleine am Steuer, sondern hat da dieses Biest sitzen, dass seinen eigenen Regeln folgt und macht was es will. Und niemand hat Schuld an diesem Clown im Kopf. Es ist eine Krankheit, man hat sich ihn nicht gewünscht, bestellt oder herbei gerufen.

Aber manchmal wird einem von Personen oder der Gesellschaft eingetrichtert und suggeriert, dass man selber Schuld an dem Problem hat. Es sind ja "nur Gedanken". Aber die Leute wissen oft gar nicht , wie es ist, wenn man da noch so ein Teufel im Kopf hat, die können sich das, zu ihrem Glück, nicht vorstellen. Und man selber will es eigentlich auch nicht glauben, bzw. müsste man doch gegen diesen kleinen Teufel ankommen, denn man ist ja die Hauptperson der eigenen Gedanken und Gefühle, oder nicht? Anscheinend ja doch nicht immer, das macht traurig, wütend, frustriert, verzweifelt und auch schämt man sich häufig für diese "Schwäche". Man sieht wie andere anscheinend problemlos ihr Leben bestreiten, heiraten, Kinder kriegen, ein Haus bauen, sich scheiden lassen und und und. Sie scheinen dieses Bild, dieses Vorbild der Gesellschaft problemlos zu erfüllen und man selber sitzt da und wünscht sich das auch herbei. Was würde man nicht für ein "normales" Leben geben? Und da ist sie wieder, die Scham, die Schwäche. Scham und Vorwürfe helfen hier aber keinem. Man selber hat schon genug zu tun und braucht das Schamgefühl nicht noch oben drauf, und was bringt es einem Außenstehenden jemanden dazu zu bringen, sich zu schämen? Genau nichts, leben und leben lassen. Jedes Leben ist anders und zwar anders perfekt.

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